John Dear Mowing Club

Fr. 05.09.08

johndearmowingclub.jpgGefragt nach dem Hintergrund seines offensichtlichen Faibles für Rasenmäher, antwortet Melle de Boer, Kopf der holländischen Alternative-Folk-Band JOHN DEAR MOWING CLUB: „Sie sind ein typisches Utensil meiner Heimat Holland, Ausdruck der kleinbürgerlichen Enge all dieser Hinterhöfe und Kleingärten. Außerdem mag ich es, die Dinge kurz zu halten, ich denke ich besitze eine destruktive Natur.“

Eine Problemjugend in der Tristesse der Den Haager Vorstadt bescherte dem Dichter, Maler und Singer/Songwriter de Boer eine veritable Sprachstörung und seiner Arbeit die atmosphärische Dichte von Stahlbeton. Mit einer gewaltigen, surrealen Bildsprache holt der hagere, im richtigen Leben eher wortkarge de Boer die Dinge von den Rändern des Bewusstseins und inszeniert sie in Wort, Bild und Ton. Die große Geste ist seine Sache dabei nicht, eher schon die Sakralisierung des vermeintlich Banalen. Wie sehr sein melancholischer Existenzialismus dabei mit dem Zeitgeist verwoben ist, bewies die Welle der Euphorie, die dem singenden Rasenmähermann anlässlich des 2003 veröffentlichten Plattendebüts „Lawnmower Mind“ entgegen schlug.

Dass sich die internationalen Gastspiele de Boer’s seither dennoch in der Hauptsache auf wenige, wenn auch bedeutende Festivals beschränkten, ist nicht zuletzt der Künstlerfreundschaft zwischen ihm und dem manisch depressiven Songwriter-Genie Daniel Johnston geschuldet. Wann immer sich die Gelegenheit bietet, fungiert de Boer mit seinem JOHN DEAR MOWING CLUB als Band des Mannes, der David Bowie oder Kurt Cobain zu seinen größten Verehrern zählt und dessen vornehmlich auf Tape veröffentlichte Songs weltweit von mehr als 150 Bands gecovert wurden, wie z.B. von Tom Waits, Beck, Wilco, Pearl Jam, Bright Eyes, Firehose, The Flaming Lips, um nur einige Wenige zu nennen.

Ungeachtet dieses aufreibenden Doppel-Engagements stellt de Boer mit dem 2008 bei Hazelwood Vinyl Plastics erscheinenden Longplayer „John Dear Mowing Club“ sein eigenes kreatives Schaffen erneut eindrucksvoll in dem Mittelpunkt. Trotz der eher leisen, introvertierten Gangart des vom Künstler selbst so bezeichneten „Country Noir“, stieg das Album in Holland von Null auf Vier in die Moordlijst (*) ein.

Auf „John Dear Mowing Club“ hüllt de Boer seine düstere und dennoch (oder gerade deshalb) Trost spendende Lyrik in einen Flaum aus Folk, Americana, Alternative Country und jeder Menge hysterischer Stille. Dabei ist die Nähe zu den Großen des Genres, wie etwa Bob Dylan, Neil Young, Lou Reed, zum Freund Daniel Johnston oder dem eigens mit einem Song bedachten Townes van Zandt, genau so wenig zufällig wie erschöpfend. De Boer kopiert nicht, sondern tunkt seinen Malerpinsel in eine Palette des guten Geschmacks, um in den Farben der Altvorderen seine eigene, außerordentliche Utopie auf Leinwand zu bringen.

„I took your pride and brought it to the pawnshop / It wasn’t worth a thing / I went out and gave it to the drunkman / He gave me his diamond ring.“

www.myspace.com/johndearmowingclub
 
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